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Samstags-Uni: Bildung – heute

Studium generale der Universität Freiburg und Volkshochschule Freiburg

 

 Samstags-Uni Bildung

„Die Spatzen pfeifen es von den Dächern: Wissen ist heute die wichtigste Ressource in unserem rohstoffarmen Land. Wissen können wir aber nur durch Bildung erschließen. Wer sich den höchsten Lebensstandard, das beste Sozialsystem und den aufwendigsten Umweltschutz leisten will, der muss auch das beste Bildungssystem haben. Außerdem ist Bildung ein unverzichtbares Mittel des sozialen Ausgleichs. Bildung ist der Schlüssel zum Arbeitsmarkt und noch immer die beste Prophylaxe gegen Arbeitslosigkeit. Sie hält die Mechanismen des sozialen Auf- und Abstiegs offen und damit unsere offenen Gesellschaften in Bewegung. Und sie ist zugleich das Lebenselixier der Demokratie in einer Welt, die immer komplexer wird, in der kulturelle Identitäten zu verschwimmen drohen und das Überschreiten der Grenzen zu anderen Kulturen zur Selbstverständlichkeit wird." Programmatische Sätze von Bundespräsident Roman Herzog auf dem Berliner Bildungsforum 1997, die nichts von ihrer Aktualität verloren haben und 2008 ihr zustimmendes Echo fanden in Angela Merkels Postulat „Wohlstand für alle heißt heute Bildung für alle" mitsamt dem Slogan von der „Bildungsrepublik Deutschland". Was aber bedeutet „Bildung" heute? Welche Leitbilder, Ideen und kulturellen Überzeugungen sind in diesem Konzept wirksam, was wären notwendige Ingredienzien einer zeitgemäßen Bildung, wie steht es um die Bildungseinrichtungen unserer Gesellschaft von der Schule über die Universität bis zu den Institutionen der Erwachsenenbildung und des lebenslangen Lernens? Nicht zuletzt: Wie ist es in Deutschland um Zugänge und Bildungschancen bestellt, wo stehen wir in puncto Bildungsgerechtigkeit? Im 100. Jubiläumsjahr der deutschen Volkshochschulen stellt sich die 28. Staffel der Samstags-Uni von Studium generale und VHS Freiburg diesen Schlüsselfragen unserer Gegenwart und Zukunft, wie immer in einem weit gespannten interdisziplinären Reigen von Vorträgen aus unterschiedlichen Wissenschaftskulturen und mit ausgewiesenen Expertinnen und Experten aus Theorie und Praxis.

Die Samstags-Uni findet samstags zwischen 11:15 Uhr und 12:45 Uhr im Kollegiengebäude II der Universität im Zentrum Freiburgs statt. Alle Vorträge der Reihe können kostenlos und ohne vorherige Anmeldung besucht werden.

 

Hier geht es zu den Audiomitschnitten der Vorträge

 


Samstag / 11 Uhr c.t. / HS 2004

 

Prof. Dr. Josef Honerkamp (Physikalisches Institut, Universität Freiburg)
Bildung im Wissenschaftszeitalter: Die Vorsokratiker und die moderne Physik

Samstag / 26.10.19 

Honerkamp

 

Von Dunkler Materie, Gravitationswellen und von der Suche nach einer Theorie für alle fundamentalen Wechselwirkungen lesen wir heutzutage in den Zeitungen und im Internet. Was ist das für eine Wissenschaft, die zu solchen Begriffen bei Fragen nach der Beschaffenheit der Welt kommt? Welche Geschichte hat diese Wissenschaft und was sind ihre konstitutiven Merkmale? Wie weit kann man überhaupt den Aussagen einer Wissenschaft vertrauen?
Schon in der Zeit vor Sokrates haben im antiken Griechenland Naturforscher und Mathematiker die Grundlagen für das heutige Wissenschaftszeitalter geschaffen. In diesem Vortrag wird der Weg einer strengen Wissenschaft von den Fragen der Vorsokratiker bis zu heutigen Antworten in der Physik in großen Linien nachgezeichnet.

 

 

 

 

Thomas Küster (Alte Schule Natzungen gGmbH)
Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) –
Die elementare Rolle der Alphabetisierung und Grundbildung

 Samstag / 02.11.19

Küster

Sprache und Textverständnis sind ein grundlegender Schlüssel zur Integration in die Gesellschaft. Insgesamt 6,2 Millionen Erwachsene in Deutschland haben Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben, wodurch ihnen das Tor zur Bildung verschlossen bleibt und selbst alltägliche Dinge zu fast unüberwindbaren Hindernissen werden. Verglichen mit 2011 sind diese Zahlen rückläufig, dennoch bleiben sie alarmierend hoch.
Was sind die Ursachen hierfür? Wie lässt es sich erklären, dass ein großer Teil dieser Menschen dennoch einen Schulabschluss hat und ca. die Hälfte erwerbstätig ist? Welche Rolle spielen Alphabetisierung und Grundbildung für die Integration der Geflüchteten, die aktuell in aller Munde ist? Welche Rolle spielt die zunehmende Digitalisierung an dieser Stelle? Kann ich erkennen, ob mein Gegenüber Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben hat? Wie kann ich helfen, ohne zu stigmatisieren?

 

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hans-Joachim Gehrke (Seminar für Alte Geschichte / University College, Universität Freiburg)
Bildung und Freiheit. Antike Grundlagen moderner Bildungskonzepte

Samstag / 09.11.19

Prof. Dr. Dr. h.c. Hans JoachimMit der Zuwendung der griechischen Philosophie zum Menschen durch die Sophisten und Sokrates (5. Jahrhundert v. Chr.) trat die Frage nach der richtigen Bildung (paideia) der Individuen ins Zentrum intellektueller Debatten. Alle wesentlichen pädagogischen Fragen – nach Werten, Zielen und Gegenständen – wurden bereits damals intensiv erörtert. Die entscheidenden Grundzüge sind uns in Schriften bedeutender Denker wie Platon, Xenophon, Aristoteles und Isokrates überliefert. Ihr Hauptziel lag in der Bildung einer – auch innerlich – freien Persönlichkeit. Unter dem Stichwort artes liberales („freie Künste"), später liberal arts, haben sich daraus entsprechende Bildungskonzepte über Jahrtausende hinweg weiterentwickelt und wesentliche Elemente der antiken Ideen bis in unsere Tage bewahrt.

 

Dr. Heinrich Bosse (Deutsches Seminar, Universität Freiburg)
Die Bildungsrevolution um 1800

Samstag / 16.11.19

Bosse

 

Verknüpft man Bildungsgeschichte und Schulgeschichte miteinander, so entdeckt man eine Revolution:
Die Schule wandelt sich: Nach 1770 werden die Bildungssysteme der Frühen Neuzeit verstaatlicht und vereinheitlicht.
Der Bildungsbegriff tritt auf: Mit dem aufgeklärten Programm des Selbstdenkens entdeckt man die Praxis des Selbstlernens (Autodidaxe). Im Namen der Bildung wird erwartet, dass Menschen lebenslang weiterlernen, sich weiterentwickeln, ja sich geradezu selbst erschaffen.
Der Bildungsbegriff tritt ein in Schule und Gesellschaft: Dabei wird er von einem Prozess (sich bilden) zu einem Resultat umgedeutet (gebildet sein). In den verstaatlichten Schulen stößt Bildung auf das Prüfungswesen, die Einrichtung der ‚Reifeprüfung' (1788-1871) bezeichnet das Problem schon im Wort.

 

 

Prof. Dr. Klaus Meisel (ehem. Direktor des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung / Volkshochschule München)
Lebensbegleitendes Lernen: der Beitrag der öffentlich verantworteten Weiterbildung zwischen bildungspolitischer Programmatik und Realität

Samstag / 23.11.19

Meisel

Vor 100 Jahren wurde in der Weimarer Verfassung eine öffentliche Verantwortung für die Erwachsenenbildung und explizit Volkshochschulen verankert. Neben einer historischen Auseinandersetzung mit den Leistungen der Volkshochschulen ist der Frage nachzugehen, wie die Volkshochschulen auf die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen wie beispielsweise die demographische Entwicklung, die Digitalisierung und die Gefährdungen der Demokratie reagieren können. Dabei werden zum einen die Spannungsfelder, in denen die Volkshochschulen arbeiten – z.B. zwischen den programmatischen Ansprüchen und den realen Bedingungen – berücksichtigt. Zum anderen werden auch die bildungspolitischen Rahmenbedingungen thematisiert.

 

OStD Heinz-Peter Meidinger (Präsident des Deutschen Lehrerverbandes / Robert-Koch-Gymnasium Deggendorf)
Was ist gute Bildung heute?
Schule im Spannungsfeld divergierender gesellschaftlicher Anforderungen

Samstag / 30.11.19

MeidingerWas gute Bildung ist, war immer schon einem lebendigen, zum Teil sehr kontroversen Diskussionsprozess unterworfen. Soll Bildung vor allem verwertbar und eng an aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen orientiert sein oder eher zweckfrei und unzeitgemäß?
Geht es bei Bildung in erster Linie um Wissen oder doch mehr um Persönlichkeits- und Werteerziehung? Ist gute Bildung überhaupt messbar, wie PISA meint? Anhand aktueller bildungspolitischer Debatten um die Notwendigkeit neuer Fächer, die Digitalisierung oder auch die Kompetenzorientierung als neues Leitbild von Lehrplänen wird der Frage nachgegangen, was gute Bildung heute und in Zukunft leisten muss.

Staatsrat a.D. Dr. Michael Voges (Hamburg/Berlin)
Bildungsrepublik Deutschland? Der Bildungsföderalismus braucht eine Grunderneuerung

 

Samstag / 07.12.19

VogesAngesichts seiner unübersehbaren Defizite findet der Bildungsföderalismus heute in weiten Teilen der Gesellschaft kaum noch Akzeptanz. Unterschiedliche Rahmenbedingungen und Anforderungen an Schülerleistungen führen zu fehlender Vergleichbarkeit. Fehlende Vergleichbarkeit führt zu einem unfairen Wettbewerb, der immer auch ein Wettbewerb um Lebenschancen ist. Oft entscheidet nicht die Leistung, sondern die regionale Herkunft. Regionale Disparitäten verschärfen die ohnehin schon große Ungleichheit in unserem Bildungssystem.
Für einen fruchtbaren Wettbewerb zwischen den Schulsystemen und die Beseitigung von regionalen Disparitäten braucht es eine verbindlichere Kooperation der Länder untereinander. Bildungsgerechtigkeit und ein fairer Wettbewerb um mehr Qualität sind ohne ein gewisses Maß an Einheitlichkeit nicht möglich. Die Spannung von Vielfalt und Einheitlichkeit neu auszubalancieren, ist Kernaufgabe der Bildungspolitik. Soviel Vielfalt wie möglich, so viel Einheitlichkeit wie nötig – darum geht es.
Seit Frühjahr 2018 verhandeln die Länder über einen neuen Bildungsstaatsvertrag, in dem die notwendigen stabilen und verlässlichen Rahmenbedingungen für die schulische Bildung (u.a. Schulpflicht, Übergänge, Abiturprüfung, Schulstruktur, Inklusion, Bildungsmonitoring, Lehreraus- und -fortbildung) in Deutschland festgelegt werden sollen. Bislang ohne greifbaren Erfolg. Auch die Einsetzung eines Nationalen Bildungsrats von Bund und Ländern verläuft bislang zäh und uninspiriert.
Die Bildungsrepublik Deutschland bräuchte dringend eine Grunderneuerung.

 

Jürgen Kaube (Herausgeber der FAZ, Frankfurt a.M.)
„Ist die Schule zu blöd für unsere Kinder?"
Krise(n) des Bildungssystems

Samstag / 14.12.19

Kaube„Bildung ist das, was übrigbleibt, wenn alles vergessen wurde." Wer das gesagt hat, ist seinerseits vergessen worden. Was aber bleibt übrig, wenn wir vergessen haben, was uns in den Schulen und Hochschulen vorübergehend beigebracht worden ist? Hätten wir uns all die Mühe, es zu erwerben, nicht sparen zu können? Oder ist jene Bildung, die übrig bleibt, das, was neuerdings als „Kompetenzen" bezeichnet wird? Das gesamte Bildungssystem, von der Grundschule bis zu den Universitäten, sieht sich gerade diesen Fragen nach dem Sinn des Übens, Lernens, Wissens ausgesetzt. Der Vortrag wird sie anhand von Beispielen aus der Biologie, der Literaturgeschichte und der Kochkunst alle beantworten.

 Foto: F.A.Z., Frank Röth

Alexander Dick (Badische Zeitung, Kulturredaktion)
Musische Bildung in unmusischen Zeiten? Plädoyer für ein menschliches Grundbedürfnis

Samstag / 21.12.19

DickVon der Antike und bis in die Neuzeit hinein galten sie als verbindlicher Studienfächer-Kanon: die septem artes liberales. Unter den sieben freien Künsten rangierte im erweiterten Teil auch die Musik. Im Zeitalter der Postmoderne hat musikalische Bildung längst diese Verbindlichkeit verloren. Das Kapitel Musikunterricht an den Schulen ist in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder um neue Hiobsbotschaften reicher geworden. Zeitweise entfielen bis zu 90 Prozent des Musikunterrichts an den Grundschulen und bis zu 40 Prozent an den Gymnasien. Der Vortrag setzt sich aber nicht nur mit der Frage auseinander, ob und warum musikalische Bildung an öffentlichen Schulen einen festen Stellenwert haben sollte. Er sucht zu diskutieren, was musikalische Bildung im 21. Jahrhundert bewirken kann, was ihre Bestandteile sein könnten und welche Funktion ihr in einer mehr und mehr vom Primat des Digitalen bestimmten Gesellschaft zufallen könnte.

 

Peter Kalchthaler (Städtische Museen Freiburg, Museum für Stadtgeschichte), Eva von Rekowski (Volkshochschule Freiburg)
100 Jahre Volkshochschule Freiburg – 100 Jahre Zukunft
Zur Geschichte, Gegenwart (und Zukunft) der Freiburger VHS

Samstag / 11.01.20

VHS-Logo 100 Jahre

Die Volkshochschulen waren und sind immer Pulsmesser ihrer Zeit, so auch die VHS Freiburg. Mit ihren Angeboten machen sie die Menschen fit für die jeweiligen Herausforderungen ihrer persönlichen und gesellschaftlichen Lebenswelten, das war vor 100 Jahren genauso wie heute: Bildung für alle! Sprachen, Gesundheitsbildung, Allgemeinbildung, Kunst und Kultur gehören an der VHS Freiburg ebenso dazu wie die berufliche Bildung, Schulabschlüsse und die Grundbildung. Wie sich die Angebote jeweils an die gesellschaftlichen Bedingungen angepasst haben und mit welchen Ideen, Konzepten und Projekten versucht wird, wirklich alle Menschen zu erreichen, ist Inhalt dieses Vortrags.

 

 

Prof. Dr. Peter-André Alt (Präsident der Hochschulrektorenkonferenz / ehem. Präsident der Freien Universität Berlin)
Erkenntnis für viele? Funktion und Auftrag der Universität seit dem Ende ihres Exklusivitätsanspruchs

Samstag / 18.01.20

Alt

Der Vortrag befasst sich mit der Frage, was von den alten Humboldtschen Bildungsidealen unter heutigen Bedingungen im Zeichen einer permanenten Erweiterung universitärer Kapazitäten und Aufgaben bleibt. Untersucht wird zunächst die historische Entwicklung zur Massenuniversität, die Mitte der 60er Jahre, getrieben durch bildungspolitische Interventionen, einsetzte. Dabei kommen unterschiedliche Phasen von der Reformeuphorie über die Gremienuniversität bis zum Bologna-Prozess in den Blick. Am Ende steht der Versuch, die heutige Universität als ein soziales System zu beschreiben, das jenseits seiner Kernaufgaben in Lehre und Studium Modelle produktiver Vielfalt ausprägt, wie sie musterhaft für das gesellschaftliche Zusammenleben in unserer Zeit werden können.

 

 Foto: Hochschulrektorenkonferenz, David Ausserhofer

Prof. Dr. Dr. h.c. Aleida Assmann (Fachbereich Literaturwissenschaft – Anglistik, Universität Konstanz)
Bildung und kulturelles Gedächtnis

Samstag / 25.01.20

Assmann

 

Der Begriff ‚Bildung' ist nicht nur urdeutsch, er schillert auch, denn er erstreckt sich auf ganz unterschiedliche Themenfelder. Unter den vielen Bildungsbegriffen, die sich gegenseitig nicht ausschließen müssen, gibt es auch die kulturelle Bildung, die etwas mit Wertschätzung, Teilhabe, Gebrauch und Weitergabe des kulturellen Gedächtnisses zu tun hat. Das Konzept der kulturellen Bildung hat sich in den letzten 200 Jahren mehrfach verändert. Heute ist kulturelle Bildung kein exklusives Privileg gehobener Schichten und kein Luxusartikel mehr, sondern ein Menschenrecht. Artikel 27 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte lautet: „Jeder hat das Recht, am kulturellen Leben der Gemeinschaft frei teilzunehmen, sich an der Kunst zu erfreuen und am wissenschaftlichen Fortschritt und dessen Errungenschaften teilzunehmen."

 

 

Foto: Corinna Assmann

 

Dejan Mihajlovic (Pestalozzi-Realschule, Freiburg)
Im Zeitalter der Digitalen Transformation – Was ist zeitgemäße Bildung heute und morgen?

Samstag / 01.02.20

Mihajlovic

 

Um über Konzepte zeitgemäßer Bildung zu diskutieren, muss zuvor ein Blick auf den gerade stattfindenden kulturellen Wandel gerichtet werden gerichtet werden: die digitale Transformation einer global vernetzten Welt Dabei gilt es, neue Möglichkeiten, aber auch die daraus resultierenden Fragen und Verantwortungen zu untersuchen, die u.a. zu gesellschaftlichen Umbrüchen geführt haben und führen. Reicht es aus, Vorlesungen und den Unterricht durch neue Inhalte zu ergänzen, oder müssen im Bildungsbereich nicht auch Strukturen, Lernsettings und -prozesse überdacht werden? Wie können junge Menschen dazu befähigt werden, im Zeitalter der Digitalität in einer immer komplexeren Welt souverän und mündig durchs Leben zu schreiten? Muss mehr oder eine gewandelte Demokratiebildung stattfinden? Welche Möglichkeiten und Ansätze gibt es bereits, sich den zahlreichen unerschlossenen Feldern zu nähern? Im Vortrag werden einige Erkenntnisse, Entwicklungen und Erfahrungen der letzten Jahre vorgestellt und Fragen aufgeworfen, die zum Dialog einladen sollen.

Prof. Dr. Werner Rieß (Institut für Biologie und ihre Didaktik, PH Freiburg)
Was kann Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)?
Normative Überlegungen und empirische Befunde

Samstag / 08.02.20

Rieß„Bildung ist eine unerlässliche Voraussetzung für die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung und die Verbesserung der Fähigkeit der Menschen, sich mit Umwelt- und Entwicklungsaufgaben auseinanderzusetzen ..." sowie eine unabdingbare Voraussetzung „... für die Herbeiführung eines Bewußtseinswandels bei den Menschen, damit sie in der Lage sind, ihre Anliegen in Bezug auf eine nachhaltige Entwicklung abzuschätzen und anzugehen." Diese Feststellung wurde so schon 1992 auf der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro getroffen. Die an dieser Konferenz teilnehmenden Staaten verpflichteten sich, eine entsprechende Bildung auf den Weg zu bringen. Vertreter/innen unterschiedlicher pädagogischer Disziplinen (bspw. Umweltbildung, Erziehungswissenschaft, Fachdidaktiken, Entwicklungspädagogik) machten sich in der Folge an die Arbeit und begründeten eine Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), die in den letzten zwei Jahrzehnten zu einem wichtigen Teil einer Allgemeinbildung im schulischen und außerschulischen Kontext heranreifte und im aktuellen Bildungsplan von Baden-Württemberg sogar zu einem Leitprinzip erhoben wurde. Ist damit der von den Vereinten Nationen gestellte Auftrag erfüllt? Aus normativer und empirischer Perspektive sind einige wichtige Fragen zu stellen: Sind die im Rahmen einer BNE angestrebten Ziele normativ unbedenklich? Werden Personen (Schüler/innen, Kinder, Erwachsene) durch die schulische und außerschulische BNE tatsächlich dazu befähigt, eine nachhaltige Entwicklung zu gestalten? Werden notwendige Personenmerkmale nachweisbar gefördert? Geschieht dies in effektiver Art und Weise?
In diesem Vortrag werden ausgesuchte Erkenntnisse aus der aktuellen empirischen Bildungsforschung (insbesondere auch zum Stand der BNE in Baden-Württemberg) präsentiert und Hintergrundinformationen zu den Herausforderungen in diesem Forschungsfeld gegeben.

Prof. Dr. Uta Meier-Gräwe (Professur für Wirtschaftslehre des Privathaushalts und Familienforschung, Justus-Liebig-Universität Gießen)
„Was Hänschen nicht lernt ..."
Armut und Bildung in Deutschland

Samstag / 15.02.20

Meier-GräweBetreuung und Bildung von Anfang an gehören heute zu den paradigmatischen Grundsätzen einer sich erneuernden Bildungs-, Sozial- und Familienpolitik. Es wächst die Einsicht, dass es für die allseitige Persönlichkeitsentwicklung von Kindern bereits in den ersten Lebensjahren außerordentlich bedeutsam ist, spezifische „Zeitfenster" zur Entwicklung von motorischen, sprachlichen oder kognitiven Kompetenzen zu nutzen und diese Entwicklungsprozesse professionell zu begleiten und differenziert zu unterstützen. Eltern bleiben allerdings die primären Bezugspersonen im Herkunftszusammenhang, so dass dabei immer auch der Elternarbeit und Familienbildung ein hohes Gewicht beizumessen ist. Vor allem müssen entsprechende Angebote in einer sozial zunehmend ungleichen Gesellschaft auf unterschiedliche Herkunftskontexte und Lebensumstände zugeschnitten sein. Der Vortrag setzt sich mit strukturellen und mentalen Barrieren auseinander, die es in Deutschland bislang verhindern, Bildungsgerechtigkeit für alle Kinder zu erreichen.

 

Mit freundlicher Unterstützung der Volksbank Freiburg, des Verbands der Freunde der Universität Freiburg
und der Badischen Zeitung