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Samstags-Uni: Die digitale Revolution

Studium generale der Universität Freiburg und Volkshochschule Freiburg

 

 Künstliche Intelligenz 2.0

 

Die sog. „Digitalisierung" ist der Großtrend unserer Zeit: World Wide Web, Internet und Personal Computer, Smartphone und Neue Medien, Chatforen und soziale Netzwerke, Online-Banking und Streaming-Portale, E-Learning, Big Data und Digital Humanities, Navigationssysteme und selbstfahrende Autos, Smart Homes und Pflegeroboter, E-Commerce und Industrie 4.0, digitale Überwachung und Cyberkriminalität, Algorithmen, lernende Maschinen und Künstliche Intelligenz ... – Schlagworte, die belegen, wie rasant sich unsere Wirklichkeit in wenigen Jahrzehnten verändert hat und weiter verändert: kein Lebens-, Gesellschafts-, Arbeits- und Wissenschaftsbereich, der von der Dynamik dieser „digitalen Revolution" unberührt bliebe. Aber was geht hier vor sich, welche Chancen und Risiken bieten sich, mit welcher Zukunft sollen wir rechnen und vor welche Entscheidungen sind wir gestellt, ja, welche Haltung könnte inmitten dieser radikalen Umbrüche überhaupt als „digitale Mündigkeit" (A. Grunwald) gelten? Die Fragen sind so komplex wie unabweisbar, sie bestimmen unsere Gegenwart und werden über unsere Zukunft mitentscheiden – aber keine einzelne Disziplin kann sie im Alleingang beantworten. In dieser Situation möchte die 27. Staffel der Samstags-Uni im Sommersemester 2019 zur Aufklärung beitragen: Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Wissenschaftsbereichen – Informatik, Robotik und Mikrosystemtechnik, Medizin und Rechtswissenschaft, Maschinenethik und Technikphilosophie, Wirtschafts-, Sozial- und Geisteswissenschaften – sind eingeladen, uns ihre jeweilige Sicht auf die „digitale Revolution" in der Fülle ihrer Manifestationen und Konsequenzen zu erläutern und zu erklären, wohin die Reise weiter gehen mag.

Die Samstags-Uni findet samstags zwischen 11:15 Uhr und 12:45 Uhr im Kollegiengebäude II der Universität im Zentrum Freiburgs statt. Alle Vorträge der Reihe können kostenlos und ohne vorherige Anmeldung besucht werden.

 

Hier geht es zu den Audiomitschnitten der Vorträge

Hier finden Sie unsere Lektüreempfehlungen (pdf)

 


Samstag / 11 Uhr c.t. / HS 2004

 

Prof. Dr. Gerald Urban (Professur für Sensoren, Institut für Mikrosystemtechnik (IMTEK))
„Digitalisierung" – was ist das eigentlich? Annäherungen an ein großes Thema

Samstag / 27.04.19 

Urban 2.0

 

Begriffe wie „Digitalisierung" oder „Digitale Revolution" sind gegenwärtig in aller Munde, keine Talkshow und keine politische Diskussion kommen ohne diese Wörter aus. Allerdings zeigt sich bei genauerem Zusehen, dass diese Begriffe häufig extrem unscharf definiert sind, so dass mitunter unklar erscheint, was unter „Digitalisierung" eigentlich verstanden werden soll und welche Phänomene und Problembereiche damit bezeichnet werden. Der Einführungsvortrag zur Samstags-Uni „Die digitale Revolution" unternimmt den Versuch einer ersten Annäherung an Begriff und Sache der „Digitalisierung" in der immensen Spannbreite ihrer Manifestationen und Anwendungsgebiete; dabei sollen ingenieurswissenschaftliche und technische ebenso wie ökonomische und soziokulturelle Aspekte des Themas beleuchtet werden. Ein besonderes Interesse gilt der Frage, wie denn überhaupt das Neue in die Welt kommt und ob es sich bei den unter dem Begriff der „Digitalisierung" zusammengefassten Innovationen eher um eine Evolution, eine Revolution oder noch um etwas ganz Anderes handelt.

 

 

Prof. Burkart Knospe (Vorstandsvorsitzender der Testo SE & Co. KGaA, Lenzkirch)
„Internet of Things (IoT)“ – Digitale Transformation im Mittelstand

Samstag / 04.05.19

Knospe

Mittels modernster Technologie ermöglicht es das so genannte „Internet of Things“, physische und virtuelle Gegenstände global miteinander zu vernetzen. Es steht im Zentrum des digitalen Wandels von heute und wird zunehmend zum Dreh- und Angelpunkt für die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen. Indem es ganze Wertschöpfungsketten revolutioniert, bietet es vor allem für den Mittelstand ganz neue Möglichkeiten.
Prof. Burkart Knospe, Vorstandsvorsitzender des Schwarzwälder Messgeräteherstellers Testo, erkennt die sich ihm bietende Chance. 2015 entwickelte er ein strategisches Konzept, das mit dem konsequenten Aufbau des Geschäftsfeldes ,Solutions' auf attraktive Wachstumsmärkte der Digitalisierung zielt. Heute zählt das Unternehmen mit seinen Komplettlösungen für die Food- und Pharmaindustrie zu den Pionieren seiner Branche. In seinem Vortrag resümiert Professor Knospe den Transformationsprozess vom klassischen Messgerätehersteller hin zum führenden Anbieter digitaler Messlösungen und erklärt, wie sich Unternehmen, Markt und Branche verändert haben, welche Herausforderungen die Digitalisierung an den Mittelstand stellt und warum es sich lohnt, offen für neue Wege und Ideen zu bleiben.

Prof. Dr. Gerhard Lauer (Digital Humanities Lab, Universität Basel)
Digital Humanities: Über Kultur und ihre Wissenschaft, wenn alles anders wird

Samstag / 11.05.19

Lauer

 

Die digitale Revolution kommt so leichtfüßig daher, dass es scheint, als wären Kultur und die Geisteswissenschaften kaum gefordert und etwas Kulturkritik würde genügen, das Unbehagen in der digitalen Kultur auszudrücken. Doch die digitale Transformation betrifft die Kultur und ihre Wissenschaften in ihren Gegenständen, Methoden und Infrastrukturen. Schwer zugängliche Dokumente des kulturellen Erbes, die in Bibliotheken der Welt verteilt liegen, werden virtuell wieder zusammengefügt. Archäologische Ausgrabungen nutzen selbstverständlich computer-gestützte Dokumentationsverfahren. Und aufwändige Datenbanken führen die Bücher dieser Welt in Katalogen zusammen. Das alles verändert unsere Vorstellung von Kultur und ihrer Erforschung viel tiefgreifender als es vielen bewusst ist. Mein Vortrag stellt die wichtigsten Entwicklungen in den computergestützten Geisteswissenschaften vor und diskutiert die Konsequenzen für die Fächer und Fakultäten.

 

 

Prof. Dr. Armin Grunwald (Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) / Professur für Technikphilosophie am Karlsruher Institut für Technologie (KIT))
Machen wir uns mit der Digitalisierung selbst überflüssig?
Ein Plädoyer für digitale Mündigkeit

Samstag / 18.05.19

Grunwald 2.0

 

Die Kreativität des Menschen hat die Digitalisierung möglich gemacht, deren rasante Fortschritte in Künstlicher Intelligenz, Big Data-Technologien und Robotern münden. Wenn auch die Digitalisierung das Resultat menschlicher Erfindung und Umsetzung ist, so nehmen dennoch die Sorgen zu, dass zu guter Letzt der Mensch seinen eigenen digitalen Geschöpfen unterliegen könnte. Längst sind Schachcomputer besser als der menschliche Schachweltmeister, mit der Mustererkennung durch Big Data können wir nicht mithalten, und am Arbeitsmarkt machen uns digitale Helfer zusehends überflüssig. Was wird aus dem Menschen in einer zunehmend digitalisierten Welt?
Im Vortrag werde ich diese Sorgen ernst nehmen und ihnen nachgehen, etwa den zukünftigen Arbeitsmarkt betreffend. Dabei zeigt sich, dass wir keineswegs mit Fatalismus auf die Digitalisierung schauen müssen. Sie darf nicht als von selbst laufende Entwicklung verstanden werden, an die wir uns bloß anpassen müssen. Vielmehr ist die Entwicklung einer digitalen Mündigkeit notwendig, um zur Gestaltung einer guten digitalen Zukunft beizutragen. Letztlich muss es das Ziel sein, die digitalen Möglichkeiten zu nutzen, um das analoge Leben zu bereichern und zu verbessern. Digitalisierung ist Mittel zum Zweck, aber kein Selbstzweck.

 

Prof. Dr. Catrin Misselhorn (Philosophisches Seminar, Georg-August-Universität Göttingen)
Künstliche Intelligenz, Roboter und Empathie

Samstag / 25.05.19

Misselhorn

 

 Emotionale Maschinen zu bauen, liegt im Trend. Sie sollen die Interaktion mit den Menschen natürlicher, intuitiver machen und die „user experience" verbessern. Empathie spielt dabei eine große Rolle.
Roboter sollen empathisch auf die Bedürfnisse und Gefühle der Menschen eingehen. Dadurch sollen sie im sozialen Umgang kompetenter werden und das Vertrauen der Menschen erringen. Das ist in vielen Kontexten von Bedeutung, ganz besonders jedoch bei Serviceanwendungen und dem Einsatz künstlicher Systeme im privaten Bereich. Doch können Maschinen überhaupt Empathie lernen und welche Rolle spielt KI dabei? Und wie verändert sich das Verhältnis des Menschen zu den Maschinen dadurch? Der Vortrag wird diesen Fragen grundsätzlich und anhand von Beispielen nachgehen. Am Ende wirft die Thematik auch ein Licht darauf, wie wir uns als Menschen verstehen

 

Dr. Patrick Bronner (Lehrer (StD) für Mathematik und Physik am Friedrich-Gymnasium Freiburg)
Schule auf dem Weg ins digitale Zeitalter:
Ein Plädoyer für spannenden und wirkungsvollen Unterricht

Samstag / 01.06.19

Bronner

 

Das Ziel der digitalen Schulentwicklung ist weder die Abschaffung der Kreidetafel noch die papierlose Schule. Zeitgemäßer Unterricht sollte immer ein ausgewogenes Zusammenspiel von digital und analog sein - moderne Medien sind dabei nur als Hilfsmittel im Lernprozess zu sehen. Auch im digitalen Zeitalter kommt es auf den kompetenten, begeisterten, emphatischen und motivierten Lehrer an.
Im Vortrag wird ein Medienkonzept vorgestellt, mit dem Schulen in kleinen Schritten Lehrer- und Schüler-Tablets zum Standardwerkzeug im Klassenzimmer machen können. Diskutiert werden dabei Herausforderungen wie der bewusste Umgang mit WLAN-Strahlung, die Verarbeitung von sensiblen Schülerdaten, der Einsatz von vermeintlich kostenlosen Apps und die Einhaltung der Lernmittelfreiheit. Ein Schwerpunkt des Vortrags sind konkrete Beispiele aus dem Unterricht verschiedener Fächer zum sinnvollen Einsatz digitaler Medien. Gegen Ende werden Wünsche zum DigitalPakt für eine zukunftsfähige, einheitliche und wirtschaftliche Medienausstattung an Schulen vorgestellt.

 

Dr. Sven Bode (Director Research & Development Electrophysiology Systems & Sensors, Biotronik SE & Co KG, Berlin)
Digitale Medizin – Herzschrittmacher Online

Samstag / 08.06.19

Bode

 

 

 

Seit 18 Jahren betreibt die Firma BIOTRONIK für Herzschrittmacher und implantierbare Defibrillatoren die Online Plattform „BIOTRONIK Home Monitoring". Heute kann das BIOTRONIK Home Monitoring System, wie eine Studie 2014 gezeigt hat, für bestimmte Patientengruppen die Sterblichkeit um mehr als 60% verringern. Der Vortrag zeigt, welche Entwicklungsschritte notwendig waren und dass dabei nicht nur technische Hürden zu überwinden waren. Und die Reise geht weiter mit neuen Sensoren, künstlicher Intelligenz und mit der Einbindung des Patienten in seine Therapie.

 

 

Prof. Dr. Wolfram Burgard/Dr. Philipp Kellmeyer/Prof. Dr. Oliver Müller/Prof. Dr. Silja Vöneky (Forschungsschwerpunkt „Verantwortliche Künstliche Intelligenz“ am Freiburg Institute for Advanced Studies (FRIAS))
Verantwortlicher Umgang mit der Künstlichen Intelligenz: Ein Europäischer Weg?

Samstag / 22.06.19

RoboterIm Freiburg Institute for Advanced Studies (FRIAS) arbeitet eine interdisziplinäre Forschungsgruppe (bestehend aus einer Rechtswissenschaftlerin, einem Robotiker, einem Neuroethiker und einem Philosophen) an der Frage, ob und wie ein verantwortlicher Umgang mit autonomen intelligenten Systemen möglich ist. Dabei geht es auf einer grundlegenden Ebene darum zu klären, was „Intelligenz" und „Autonomie" im technischen Kontext heißen kann, aber auch welche Entwicklungen in den nächsten Jahren zu erwarten sind. Aus normativer Perspektive werden die zentralen ethischen und rechtlichen Probleme identifiziert. Ziel ist zu prüfen, welche der bestehenden ethischen und rechtlichen Prinzipien und Regelungen ausreichen, um den Herausforderungen der künstlichen Intelligenz zu begegnen, und zu erarbeiten, in welchen Bereichen wir neue Ideen, Ansätze und Lösungen benötigen. Angesichts der liberalen Ansätze in den USA auf der einen und der staatlich gelenkten und genutzten KI in China auf der anderen Seite untersucht die FRIAS-Forschungsgruppe „Responsible AI" insbesondere, ob es einen europäischen Weg geben kann, KI in Zukunft auf verantwortliche, demokratische und partizipative Weise zu regulieren.

Prof. Dr. Indra Spiecker gen. Döhmann (Professur für Öffentliches Recht, Informationsrecht, Umweltrecht und Verwaltungswissenschaft, Goethe-Universität Frankfurt am Main)
Facebook, Bewertungsportale und die Telekom –
wie sich die Internetregulierung verändert

Samstag / 29.06.19

Spiecker

 

 

Das 3-Ebenen-Modell des Internets ist eigentlich längst überholt; die rechtliche Regulierung hängt allerdings immer noch stark an einer Trennung der Regulierung von Infrastruktur, Zugang und Inhalten. Der Vortrag analysiert, wie zunehmend die Informationsintermediäre wie Facebook und Google, aber auch Bewertungsportale oder Blogs in den Fokus der Regulierung verschiedener Bereiche (IT-Recht, Datenschutz) rücken - das Netzwerkdurchsetzungsgesetz gegen Hate Speech ist hier nur einer von vielen Schritten. Auf dieser Basis lassen sich Aussagen dazu treffen, wie eine Platform Governance und eine Regulierung des Internets aussehen kann.

 

 

Prof. Dr. Leonhard Reindl (Professur für Elektrische Mess- und Prüfverfahren, Institut für Mikrosystemtechnik (IMTEK))
Überall Sensoren und Computer.
Autonome elektronische Systeme nehmen die Umgebung wahr und regeln alle technischen Prozesse

Samstag / 06.07.19

Reindl

 

 

Langfristig werden wir den Wohlstand nur steigern können, wenn alle technischen Prozesse immer weiter optimiert werden. Dies kann nur durch eine geschlossene Regelung der Prozesse erreicht werden. Hierzu wird eine Vielzahl von eingebetteten Computern mit Sensoren und Aktoren benötigt. Drahtlose Sensor- und Aktorsysteme wie Mobiltelefone, Fernbedienungen, ID-Karten und eingebettete drahtlose Sensorknoten spielen in unserer industrialisierten Umgebung eine immer größere Rolle. Während für technische Systeme diese Regelung notwendig und wünschenswert ist, wird eine Regelung des menschlichen und zwischenmenschlichen Verhaltens sehr viel kritischer eingestuft.

 

 

Prof. Dr. Gerhard Schneider (Prorektor für Digitale Transformation und Chief Information Officer / Direktor des Rechenzentrums / Professur für Kommunikationssysteme)
Universität 4.0 – dank Digitalisierung alles anders? 

Samstag / 13.07.19

Schneider 2.0Die Digitalisierung begann in der Universität Freiburg schon sehr früh – seit 1989 ist die Albert-Ludwigs-Universität im Internet. Inzwischen verbindet ein schnelles Datennetz alle Arbeitsplätze untereinander und mit der Welt der Wissenschaft. Die dadurch ausgelöste Digitale Transformation ist in vollem Gange: So ist e-Learning unverzichtbarer Teil der modernen Lehre geworden, Vorlesungen werden übertragen oder aufgezeichnet und Blended Learning oder auch flipped classroom sind moderne Konzepte, die sich bewähren sollen. Der Zugriff auf digitalisierte Zeitschriften, die simultane Arbeit an gemeinsamen Texten oder Home-Office sind an der Universität gelebte Realität.
Moderne Messgeräte produzieren Daten digital – diese Daten sind Teil der wissenschaftlichen Erkenntnis, sie müssen deshalb aufbewahrt und anderen heute oder zu einem (viel) späteren Zeitpunkt zur Verfügung gestellt werden. Das damit einhergehende Management von Forschungsdaten ist eine neue Herausforderung. Parallel dazu muss auch die Informationssicherheit neu betrachtet werden – sind praktisch erscheinende Abläufe vielleicht anfällig für Datendiebstahl? So kommt es, dass heutige Forschungsvorhaben auch mit Datenschutz- und Informationssicherheitsfragen konfrontiert werden, denn die Zeiten, in denen die Universitäten 2.0 noch das Internet für sich alleine hatten, sind vorbei.
Wenn sich aber durch die Digitalisierung die alten Vorstellungen von Raum und Zeit auflösen und Lehrveranstaltungen von überall verfolgt werden können – was ist dann die Rolle einer Universität?

Prof. Dr. Jens Kersten (Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Verwaltungswissenschaften, Ludwig-Maximilians-Universität München)
Industrie 4.0: Herausforderungen der digitalisierten Arbeitswelt

Samstag / 20.07.19

KerstenIndustrie 4.0 und Arbeit 4.0 bricht mit vielen arbeitsrechtlichen Grundannahmen und Praxen der industriellen Gesellschaft. Deshalb müssen wir neue Konzepte für die digitalisierte Arbeitswelt entwickeln: Wenn Menschen und Maschinen symbiotisch zusammenarbeiten, gewinnen Autonomie und Selbstbestimmung im Arbeitsverhältnis neue Konturen. Wer arbeitet hier autonom? Instrumentalisieren Maschinen nicht die Menschen? Wie können wir auf Burnout reagieren? Die Notwendigkeit, unsere digitalisierte Arbeitswelt sozial, ökonomisch und rechtlich neu zu gestalten, zeigt sich aber auch am Beispiel Crowdwork, das sich im Spannungsverhältnis zwischen dem Ideal globaler Arbeitsteilung und drohender grenzüberschreitender Ausbeutung entfaltet. Darüber hinaus gestaltet sich die Konsistenz mancher Betriebe zwischen realem und virtuellem Raum neu: Das überkommene System der analogen Betriebsverfassung ist nicht in der Lage, beschleunigte Änderungen der Arbeitsorganisation zu bewältigen. Die Gewerkschaften stehen vor der Frage, wie sie Gewerkschaftsmitgliedschaft als ein zunehmend knappes Gut institutionell profilieren und sich zugleich zunehmend liquide und flüchtige Solidarität digital organisieren lässt. Auch die kollektiven Konflikte entwickeln längst eine digitale Dimension: Wie sieht der Arbeitskampf in der digitalisierten Arbeitswelt aus? In unserer liberalen und zugleich sozialen Gesellschaft verlangt der digitale Wandel unserer Arbeitswelt differenzierte Antworten. Einfache Lösungen wie das bedingungslose Grundeinkommen greifen schon deshalb viel zu kurz, weil sie weder Freiheit noch Solidarität gewährleisten.

Prof. Dr. Bernhard Nebel (Leiter der Arbeitsgruppe Grundlagen der Künstlichen Intelligenz, Institut für Informatik)
63 Jahre Künstliche Intelligenz: Bilanz und Perspektiven

Samstag / 27.07.19

NebelDas Gebiet „Künstliche Intelligenz", das 1956 bei einem Workshop in Dartmouth als Teilgebiet der Informatik entstand, beschäftigt sich mit der Analyse und Synthese „intelligenten Verhaltens" von Lebewesen und Artefakten, wobei der Schwerpunkt auf der Synthese intelligenten Verhaltens durch Computerprogramme liegt. In der frühen Phase des Gebiets (die 60er des letzten Jahrhunderts), die durch Enthusiasmus und Optimismus geprägt war, erwartete man, innerhalb von wenigen Jahren viele menschliche Fähigkeiten, wie Sprachverstehen und Übersetzung, Bildverstehen, Schachspielen usw. auf dem Computer nachbilden zu können.
Dieses hat sich so nicht bewahrheitet. Der Fortschritt war sehr viel langsamer und hat viele Umwege genommen. Mittlerweile hat sich die Künstliche Intelligenz zu einer Wissenschaft mit einem recht umfangreichen Methodenkatalog entwickelt, der bei vielen konkreten Fragestellungen erfolgreich ist. Brettspiele wie Schach und Go (letzteres erst seit kurzem) gehören zu den Spielen, die Maschinen besser beherrschen als Menschen. Dazu gehören auch Ratespiele wie Jeopardy!. Autonom fahrende Autos und autonome Haushaltsroboter stehen auf der Schwelle zur allgemeinen Anwendbarkeit. Ebenso sind (halb-)autonom agierende Roboter in Fabriken heute keine Science-Fiction mehr, sondern absehbare Zukunftsszenarien.
Aufgrund dieser Fortschritte wird heute in den Medien oft eine eher düstere Perspektive gezeichnet, in der womöglich eine "maschinelle Superintelligenz" zum Untergang der Menschheit führen könnte. Tatsächlich werden wohl aber eher Umbrüche in der Arbeitswelt, hervorgerufen durch Ergebnisse der Informatik und KI, die Herausforderung für unsere Zukunft darstellen.

 

Mit freundlicher Unterstützung der Volksbank Freiburg, des Verbands der Freunde der Universität Freiburg
und der Badischen Zeitung