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Einzelvorträge: Faszination Wissenschaft

 

Einzel_Sebastian Bender

Prof. Dr. phil. Rainer Warland, Dipl. theol. 
(Institut für Archäologische Wissenschaften (IAW), Abt. Byzantinische Archäologie, Universität Freiburg)

Die Elmalı Kilisesi in Göreme/Kappadokien. Eine byzantinische Kreuzkuppel-Kirche des 13. Jahrhunderts und ihr singuläres Raumkonzept

Mittwoch | 29.04.26 | 20 Uhr c.t. |  HS 1015

Im Klostertal von Göreme/Kappadokien bestehen in engster Nachbarschaft drei Kreuzkuppel-Kirchen nebeneinander, die vollständig ausgemalt sind. Die Elmalı Kilisesi geht bei ihrem den Betrachter aus nächster Nähe überwältigenden Gewölbeprogramm höchst eigenständig vor. Ihr Meister scheint von Zypern gekommen zu sein, von wo er aktuelle Bildmuster und neueste Ornamentvorlagen mitbrachte. Das Ergebnis bietet eines der schlüssigsten liturgischen Raumprogramme des Mittelmeerraumes, das in einer Zeit der Kooperation zwischen Seldschuken und Byzantinern im frühen 13. Jahrhundert entstanden ist.
Der Vortragende hat lange Jahre in Kappadokien geforscht und eine Monographie zum Byzantinischen Kappadokien (Darmstadt 2013) vorgelegt. 

Dr. Reinhard Laube
(Direktor der Herzogin Anna Amalia Bibliothek Weimar)
Die Herzogin Anna Amalia Bibliothek und ihre Öffentlichkeiten

Freitag | 08.05.26 | 18 Uhr c.t. | HS 1015

In Zusammenarbeit mit der Goethe-Gesellschaft Freiburg und dem Deutschen Seminar

Die Herzogliche Bibliothek in Weimar war zunächst im Weimarer Schloss aufgestellt und blieb in der Entfaltung einer öffentlichen Wirkung beschränkt. Das änderte sich 1766 mit dem Umzug in das benachbarte Grüne Schloss. Mit einem ovalen Festsaal des Buches konnte die Bibliothek neue Formen der Öffentlichkeit herstellen. Das selbstständige Gebäude setzte eine Eigendynamik von Sammlungen und Sammlungsräumen frei, die auf Anforderungen der Gegenwart bezogen bleibt. In seiner Verantwortung für die Bibliothek seit 1797 entwickelte Johann Wolfgang Goethe eine kulturelle Praxis mit Folgen. Christoph Martin Wielands Weimarer Rede „Über das Fortleben im Andenken der Nachwelt“ (1812) bot passend dazu ein Programm und eine Funktion der öffentlichen Bibliothek, die der Vortrag nahebringen möchte.   

Prof. Dr. Janina Bühler
(Institut für Psychologie, Professur für Diagnostik und Differentielle Psychologie, Universität Freiburg)

Von den Höhen und Tiefen der Liebe: 
Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse

Dienstag | 12.05.26 | 20 Uhr c.t. | HS 1015

Partnerschaften entwickeln sich mit der Zeit. Zu Beginn sind sie meist von positiven Gefühlen und Nähe geprägt, durchlaufen aber im Laufe der Zeit Höhen und Tiefen. Wann erleben Paare typischerweise Höhen und wann sind die Tiefen der Beziehungszufriedenheit? Und ab wann kündigt ein Beziehungstief eine Trennung an? Welche Rolle spielt dabei die Persönlichkeit? Der Vortrag gibt Einblicke in aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und beschreibt, auch gestützt durch paartherapeutisches Wissen, wie sich Partnerschaften mit der Zeit entwickeln.



Prof. Dr. Dag Nikolaus Hasse
(Institut für Philosophie, Universität Würzburg)

Andalusien als Vorbild: Wie kann eine Kultur der Vergangenheit ein Modell für die Zukunft sein? Überlegungen zu einer These von Edward Said

Donnerstag | 21.05.26 | 20 Uhr c.t. | HS 1015

Idealisieren wir das mittelalterliche Andalusien unter muslimischer Herrschaft als ein verlorenes Paradies, wenn wir es als Vorbild für das heutige Zusammenleben verstehen, als ein Modell für das respektvolle Miteinander verschiedener ethnischer und religiöser Gruppen? Andalusien sei „ein Modell für die Koexistenz der Völker“, formulierte Edward Said in seiner Dankesrede für den Prinz-von-Asturien-Preis, den er 2002 gemeinsam mit Daniel Barenboim im spanischen Oviedo verliehen bekam. Der Vortrag von Dag Nikolaus Hasse argumentiert, ausgehend von Edward Said, dass Koexistenz im alten Andalusien kein anachronistischer Mythos ist und demonstriert dies anhand der drei Themen Eroberung, Diskriminierung und Alltagskultur. Er stützt sich auf neuere Forschungen zur Kultur multiethnischer Städte in Europa, Nordafrika und dem Nahen Osten, um jene Aspekte der Vergangenheit zu beleuchten, die als Modelle für multiethnische Städte der Zukunft dienen können.

Prof. Dr. Werner Mezger 
(Institut für Empirische Kulturwissenschaft, Universität Freiburg)

Der Narr am Freiburger Münster und sein Kontext: 
Von der Resilienz der Dummheit 

Dienstag | 02.06.26 | 20 Uhr c.t. | HS 1015

An der Südseite des Freiburger Münsters befindet sich als Wasserspeier ein Narr aus dem 16. Jahrhundert. Mit Fastnacht hat er allerdings wenig zu tun. Vielmehr ist er steinerner Zeuge jener Konjunktur der Narrenidee, die 1494 mit Sebastian Brants Narrenschiff begann, 1511 durch das Lob der Torheit des Erasmus von Rotterdam eine geniale ironische Brechung erfuhr und in den Schriften von Thomas Murner zu sprachlichen Metaphern fand, die noch immer lebendig sind. Der Narr wurde damals als Medium der Zeitkritik geradezu ein Signum der Epoche. Zur kontextuellen Vertiefung der Freiburger Steinplastik zieht der Vortrag noch einen filigran bemalten Prunkteller aus Augsburg von 1528 heran, dessen Bilderzyklus die Unsterblichkeit menschlicher Dummheit visualisiert. Am Ende wird sich zeigen, dass die vor 500 Jahren diskutierte Thematik der Narrheit, wie sie im Freiburger Münsternarren Gestalt gewann, heute aktueller ist denn je.

Prof. Dr. Gabrielle Oberhänsli-Widmer 
(Orientalisches Seminar, Universität Freiburg)
Die Sprüche der Väter als Schlüssel zum Judentum

Mittwoch | 24.06.26 | 20 Uhr c.t. | HS 1015

Die Sprüche der Väter sind ein Juwel jüdischer Traditionsliteratur. Oder weniger verklärt, dafür präziser: Pirqe Avot oder Avot – so die hebräische Bezeichnung – sind eine nachbiblische Sammlung von Weisheitssentenzen im Übergang von der Bibel zum Talmud, doch ebenso ein zentrales Dokument am Scheideweg von frühem Christentum und frühem Judentum. So kann man das rabbinische Aphorismenbüchlein einerseits als ethische Richtschnur lesen, andererseits aber auch als historische Quelle für den Umbruch vom antiken israelitisch-judäischen Staatsgefüge zur jüdischen Exilsreligion erschließen: Rabbi statt König, Lehrhaus statt Tempel, Lernen statt Herrschen. Mithin bieten die Sprüche der Väter eine optimale Gelegenheit, jüdischem Denken unmittelbar zu begegnen, denn „wenn nicht jetzt, wann dann!“ (Avot I,14).  

Prof. Dr. Anna Novokhatko 
(Griechische Philologie, Universität Trient / Seminar für Griechische und Lateinische Philologie, Universität Freiburg)
Die Bühne als Urknall der Vernunft: Wie das Theater den Kosmos entzauberte

Mittwoch | 01.07.26 | 20 Uhr c.t. | HS 1015

Das antike griechische Theater war Denkraum und Prüfstand der Polis. In der Tragödie wurde das Menschenmaß am Widerstreit von Schicksal und Freiheit vermessen: Schuld, Verantwortung und Erkenntnis erschienen als schmerzhafte Prozesse, die die Helden genauso wie die Zuschauer verwandelten. Die Komödie hingegen zerlegte Autoritäten, verspottete Gewissheiten und machte das Denken zur öffentlichen Übung. Zwischen Chor und Schauspieler, Ritual und Argument entstand eine Kultur des Fragens. So wurde die Bühne zum Labor des Wissens – ein Ort, an dem Staunen sich in kritische Erkenntnis verwandelte und der Kosmos nicht nur erzählt, sondern geprüft wurde. So formte sich eine neue epistemische Haltung: Wissen als Auseinandersetzung, nicht als Offenbarung. Die Tragödie radikalisierte die Erfahrung von Grenze und Irrtum – die Komödie schärfte den Blick für Widerspruch und Macht. Gemeinsam entzogen sie Mythos und Autorität ihre Selbstverständlichkeit. Die griechische Bühne erfand keine Wissenschaft – aber sie formte und schulte jenes Publikum, das diese möglich machte. 

Prof. Dr. Nikolaus Henkel 
(Deutsches Seminar, Abt. Germanistische Mediävistik, Universität Freiburg)
Richard Wagner konstruiert sein Mittelalter: Beobachtungen zum Text des ‚Ring des Nibelungen'

Mittwoch | 08.07.26 | 20 Uhr c.t. | HS 1015

In seiner Zeit als Hofkapellmeister in Dresden legt sich Richard Wagner eine umfangreiche Bibliothek zur mittelalterlichen Literatur und ihrer Erforschung zu, die Grundlage seines sein Leben und Werk begleitenden Interesses an der vergangenen Epoche ist. Während die Komposition des ,Ring des Nibelungen‘ sich bis unmittelbar vor der Bayreuther Uraufführung 1876 hinzog, schrieb Wagner das Textbuch im wesentlichen in der Zeit des Exils in Zürich in den 1850er Jahren, wo er es mehrfach vor begeisterten Zuhörern vortrug. In seiner Machart unterscheidet sich der Text fundamental von der Literatursprache seiner Zeit. In ihm verbinden sich bewusst gesetzte sprachliche Elemente des Mittelalters mit durchaus innovativen Ausdruckmöglichkeiten. Dabei spielt der in Zürich lehrende Nordist Ludwig Ettmüller eine wesentliche Rolle. Der Vortrag zielt darauf, das Mittelalterbild des 19. Jahrhunderts, wie Wagner es sich konstruiert, im Text des ,Ring‘ sichtbar zu machen.  

Prof. Dr. Johannes Grave
(Seminar für Kunstgeschichte und Filmwissenschaft, Friedrich-Schiller-Universität Jena)
Ausblick, Ansicht, Binnenschau. Zum Fensterbild bei Caspar David Friedrich und Carl Gustav Carus

Freitag | 17.07.26 | 18 Uhr c.t. | HS 1015

In Zusammenarbeit mit der Goethe-Gesellschaft Freiburg und dem Deutschen Seminar

Caspar David Friedrich und Carl Gustav Carus haben bemerkenswert viele und verschiedenartige Fensterbilder geschaffen. Mit diesen Darstellungen von Fenstern verbinden sich mindestens zwei Angebote: der Durchblick durch das Fenster hindurch auf das, was dahinter liegt, aber auch die Ansicht des Fensters selbst. Die Vielfalt der Darstellungsformen, die Friedrich und Carus für dieses Motiv entwickelt haben, lässt vermuten, dass sie die An- und Ausblicke von Fenstern genutzt haben, um über Analogien zwischen Fenstern und Bildern nachzudenken. Wenn bei ihnen Fenster auf neue, auffällige Weise in den Blick kommen, so dürfte damit auch etwas über ihr Verständnis von Bildern gesagt sein.

 

Prof. Dr. Karlheinz Ruhstorfer 
(Lehrstuhl für Dogmatik, Universität Freiburg)
Schnee von gestern, Sand im Getriebe oder Sonne von morgen?
Zur Zeitenwende des Christentums in Europa

Mittwoch | 22.07.26 | 20 Uhr c.t. | HS 1015

Der christliche Glaube gehört ohne Zweifel zu den prägenden Elementen der Geschichte des Westens. Seit geraumer Zeit verliert er gerade hier mehr und mehr seine Glaubwürdigkeit. Es scheint, dass Religion zu einer überkommenen Form des Lebens geworden ist. Ja mehr noch sind die problematischen, ja gefährlichen Seiten des religiösen Glaubens ans Licht getreten, um hier einerseits an den Machtmissbrauch in den Kirchen und andererseits an den christlichen Fundamentalismus zu erinnern, wobei letzterer gerade in der Weltpolitik unserer Tage eine fatale Rolle spielt. Im Vortrag sollen neben diesen Schattenseiten des Glaubens aber auch die konstruktiven und progressiven Potenziale christlicher Religion zur Sprache kommen, wie sie nach dem Ende der Illusionen (Andreas Reckwitz) gerade für die Gesellschaften des Westens heilsam sein könnten.