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Rezitation, Film und Theater

Bühne

 

Filmpremiere: 
Der verlorene Mantel. Marlene Goldstein und die Odyssee einer Familie aus Baden und dem Elsass im Strom der Zeit 

Dienstag, 30.06.26

Ein Essayfilm von Michael Klant

Dienstag / 30.06.26 / 19.00 Uhr / HS 1010

Marlene Goldstein als etwa ZehnjährigeAls zehnjähriges Mädchen entkam sie 1940 dem Lager Gurs am Rand der Pyrenäen, sie floh mit ihren Eltern, gebürtigen Elsässern, unter dem falschen Namen Bertrand durch Frankreich – und kehrte 1950 wieder nach Freiburg zurück, die Stadt, von wo die Nazis die Familie vertrieben hatten. Hier wurde sie 1961 zuStaatsanwältin Marlene Goldstein, 1961. Foto: H. Krummerr Staatsanwältin ernannt. Michael Klant lernte Marlene Goldstein-Steinhauer 2021 bei den Recherchen für einen Kurzfilm zum Mantel-Mahnmal auf der Wiwilibrücke kennen und traf sie in der Folge zu zahlreichen Gesprächen. Frankreich blieb für immer ihr Sehnsuchtsland.  
Als sie im Herbst 2025 im Alter von 95 Jahren verstarb, wurde der Nachlass Michael Klant vertrauensvoll für die filmische Ausarbeitung überlassen: ein Schatz aus Fotos und Dokumenten, darunter die gefälschten Fluchtpapiere. Sie bilden die Basis für eine Familiensaga über drei Generationen, mit unterschiedlichsten Schicksalen, in all ihren gefahrvollen, aber auch widersprüchlichen und heiteren Momenten. Historisches und persönliches Dokumaterial wird mit innovativen Mitteln – u.a. Animationen und Chansons – kreativ miteinander verwoben: zu einem Film, der niemanden unberührt lassen wird.

Deutschland 2026 | Regie: Michael Klant 
ca. 70 Minuten 

Weltliteratur aus dem Wiesental: Ein Abend für Johann Peter Hebel
Montag, 13.07.26


Mit 
Victor Calero 
Friedel Scheer-Nahor 
Uli Führe
Prof. Dr. Werner Frick (Moderation)

 

Montag / 13.07.26 / 19.00 Uhr / HS 1010

Johann Peter HebelEr war ein Pionier der alemannischen Mundartliteratur und ist bis heute der bekannteste Dichter und Erzähler des oberrheinischen Raums geblieben: Johann Peter Hebel, am 10. Mai 1760 in Basel geboren, dort und in Hausen im Wiesental aufgewachsen, als Prälat der badisch-lutherischen Kirche am 22. September 1826 auf einer Dienstreise in Schwetzingen gestorben und beerdigt. Hebels literarischer Ruhm begründet sich vor allem aus zwei Quellen: Seine zuerst 1803 anonym publizierten Allemannischen Gedichte im Wiesentäler Dialekt wurden ein enormer Erfolg, der Autor selbst bekannte in einem Brief, er fühle sich „bis zur Trunkenheit glücklich […], daß es mir gelungen ist unsere sonst so verachtete und lächerlich gemachte Sprache classisch zu machen, und ihr eine solche Celebrität zu ersingen“. Kein Geringerer als Goethe befand in einer Rezension, in Hebels Gedichten sei „auf die naivste, anmutigste Weise durchaus das Universum verbauert“; auch dürften diese dialektalen Kostbarkeiten keineswegs ins Hochdeutsche übersetzt werden: „Einen solchen Dichter muss man im Original lesen! Dann muss man halt diese Sprache lernen!“ – Den zweiten Grundstein zu Hebels überragender Bedeutung legten seine im Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes zusammengefassten Kalendergeschichten, darunter überzeitliche Klassiker wie Unverhofftes Wiedersehen (nach Ernst Bloch „die schönste Geschichte der Welt“) oder die kleine, zeitlos komische Erzählung vom reichen-armen Herrn Kannitverstan, aber auch Schwänke, Anekdoten und heiter-subversive Gaunergeschichten wie die vom Zundelheiner und vom Zundelfrieder. Solche Texte in ihrer Verbindung von Volkstümlichkeit und Tiefsinn haben Hebel einen bis heute nicht unterbrochenen Strom kollegialer Bewunderung zugezogen: von Goethe, Gottfried Keller und Leo Tolstoi bis zu Bert Brecht, Hermann Hesse, W.G. Sebald oder Marcel Reich-Ranicki („Hebels Geschichten gehören zu den schönsten in deutscher Sprache“). 

Im 200. Todesjahr erinnert das Studium generale an diesen großen, bis heute lebendigen Dichter und Erzähler vom Oberrhein und widmet ihm eine poetisch-musikalische Soiree mit Rezitationen seiner schönsten und faszinierendsten Gedichte und Geschichten. Für beste Unterhaltung bürgen die Rezitatorin und Mundart-Expertin Friedel Scheer-Nahor, der Schauspieler und Rezitator Victor Calero und der preisgekrönte Hebel-Chansonnier Uli Führe. Durch das Programm führt der Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Werner Frick.


Victor Calero 
ist seit über 15 Jahren fester Bestandteil des Schauspielensembles am Theater Freiburg, war in dieser Zeit in annähernd 60 verschiedenen Rollen in Dramen, Operetten, Musicals, Tanzproduktionen und Kinderstücken zu sehen und ist von daher dem Freiburger Publikum bestens bekannt. Aufgrund seiner spanisch-deutschen Herkunft und seiner Schauspielausbildung zu Sowjetzeiten in Leningrad bezeichnet er sich manchmal scherzhaft als „halb Spanier, halb Deutscher, halb Russe“. Er sagt: „Was dem Schreiner das Holz, ist dem Schauspieler der Text. Unterschiedliche Materialien verlangen unterschiedliche Bearbeitung...“

Friedel Scheer-Nahor 
war bis 2022 Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Arbeitsbereich Badisches Wörterbuch an der Uni Freiburg. Daneben engagiert sie sich bis heute im Mundartverein Muettersproch-Gsellschaft als Redakteurin der Mitgliederzeitschrift für die Belange des Alemannischen und ist Mitglied im Beirat des Dachverbands der Dialekte Baden-Württemberg (DDDBW). Sie ist eine der AutorInnen der wöchentlich erscheinenden Dialektspalte der Badischen Zeitung Lueginsland. 2021 wurde sie vom Hebelbund Lörrach mit dem Hebeldank ausgezeichnet.

 

Uli Führe
lebt als freier Musiker und Komponist in Buchenbach bei Freiburg. Nach dem Musikstudium in Stuttgart folgten Berufsjahre als Professor für Chorpädagogik in Düsseldorf und an der Musikhochschule Freiburg. Seit 1976 tritt er mit seinem alemannischen Liederprogramm vor allem im süddeutschen Raum auf, aber auch in der Schweiz und im Elsass. Bekannt wurde er v.a. für seine Lieder, die ironisch den Menschen und das Zeitgeschehen unter die Lupe nehmen. Die Hebel-Lieder (sowohl mit eigenen Kompositionen als auch in den Vertonungen durch Johann Benjamin Groß von 1835) sind Programmschwerpunkte bei seinen Auftritten.